Geschichte der PC-Flugsimulation

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Flugsimulatoren blicken auf eine lange Geschichte zurück. Bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden erste Versuche durch das Militär unternommen, ihre Piloten auf festem Boden auszubilden. Eine großer Fortschritt in diesem Bereich wurde mit der Entwicklung der ersten Computer erreicht. Erst jetzt hatten diese Simulatoren nach und nach mehr mit dem Begriff „Fliegen“ gemein. Schaut man sich heute z. B. einen professionellen Simulator an, so ist kaum noch ein Unterschied zum realen Fliegen vorhanden. Doch bis es einmal soweit war, waren viele mühevolle und auch erfindungsreiche Jahre zu bewältigen.


Der Anfang

Der Traum vom Fliegen wurde durch den Einzug der Homecomputer und nicht zuletzt durch Microsoft Realität. Durch den Flight Simulator hatte nun jeder, der einen Computer besaß, die Möglichkeit, sich virtuell in die Lüfte zu erheben und die Faszination des Fliegens zu erleben. Startschuss für den Flight Simulator war das Jahr 1978 – also schon vor fast 30 Jahren! Bruce Artwick entwickelte in diesem Jahr die erste Version des Flight Simulators. Windows oder DOS waren damals noch unbekannt und auch „PCs“ waren in keinem Lexikon zu finden bzw. steckten noch in den Kinderschuhen oder den Schubladen der Entwickler. Entwickelt wurde der Flight Simulator für den damals legendären Apple-II von Macintosh. Im Jahre 1979 folgte dann der Flight Simulator II für den Apple-II, C-64 sowie den Atari 800, wobei dem Programm lediglich 6K (!) Hauptspeicher für die Szenerie zur Verfügung standen. Doch schon in dieser frühen Version war es dank dem hervorragenden Hybrid-Koordinaten-System von Bruce Artwick möglich, IFR1-Flüge zu unterstützen.

1981-1982 wurde dann der neue Flight Simulator 1.05 erstmals auch für IBM-PCs veröffentlicht, der nun auch 3D-Grafik unterstützte (selbstverständlich nicht das, was wir heute unter 3D-Grafik verstehen – jedoch der Grundstein wurde gelegt). Im Jahre 1984 gründete Bruce Artwick dann sein eigenes Unternehmen, die Bruce Artwick Organization Ltd. (BAO). Nach einiger Zeit Pause ging es dann im Jahre 1988 mit der Flight Simulator Serie weiter, der Flight Simulator 3.0 erschien:


Flight Simulator 3 und 4

Der FS 3.0 war für seine Zeit schon ein echtes Novum: Unterstützte er doch bereits mehrere Fenster, neue Flugzeuge sowie einen Multiplayer-Modus für zwei Spieler. Ein Jahr später, im Jahr 1989 folgte dann der Flight Simulator 4.0:


Fotorealismus

Vier Jahre später erschien dann im Jahr 1993 der Flight Simulator 5.0. In dieser Version wurde zum ersten Mal das Wort „fotorealistisch“ benutzt, wurden die Szenerien doch mit ganzer 256-Farben-Power dargestellt. Ebenfalls komplett neu war die Flugdynamik sowie die Grafik-Engine

Microsoft fand Gefallen am Erfolg und kaufte das Unternehmen BAO von Bruce Artwick im Jahr 1995 auf und verfrachtete es nach Redmond in den USA – auch heute noch die Heimstätte des Flight Simulators. Ebenfalls im Jahr 1995 erschien der Flight Simulator 5.1, der nun auch Navigationshilfen sowie weltweite Szenerien unterstützte. Mittlerweile hatte auch Windows seinen Siegeszug angetreten, so dass im Jahr 1996 der Flight Simulator für Windows 95 umgesetzt wurde. Erstmals wurde jetzt auch eine echte Multiplayer-Umgebung implementiert.

Ab dem Jahr 1997 entwickelte sich der Flight Simulator endgültig zu einem Megahit: Der Flight Simulator 98 erschien. Von Grund auf neu poliert, fasziniert er auch heute noch Flusi-Freunde auf der ganzen Welt. Nicht zuletzt durch das „offene“ System – ein geniales Konzept. Nicht durch Microsoft selbst, sondern durch die unermüdliche Arbeit von Tausenden Simmern und Freeware-Designern wurde dieses Programm zu einem Megahit. Für kein anderes „Spiel“ sind bisher so viele Add-Ons und Zubehör erschienen. Selbst andere Bestseller aus dem Spiele-Genre, wie z. B. diverse 3D-Shooter oder Strategiespiele können hier nicht mithalten. Größter Sprung des Flight Simulators 98 war die erstmalige Unterstützung von 3D-Grafikkarten. Hierdurch wurde die gesamte Szenerie noch ansehnlicher und das Fluggefühl perfekter.


Flight Simulator 2000 - 2004

Wiederum zwei Jahre später erschien 1999 der Flight Simulator 2000. Erstmals veröffentlichte Microsoft den Flight Simulator in zwei Versionen: der Standard und der Professional Edition, welche neben mehr detaillierten Städten auch zusätzliche Flugzeuge sowie einen Panel-Designer bot. Ebenfalls neu war die Grafik-Engine des FS2000, welche nun ein völlig anderes System zur Szenerie-Darstellung benutzte – sehr zum Leidwesen vieler Fans, war doch die versprochene Abwärtskompatibilität nicht gerade berauschend. Einen Sprung nach vorne machte der neue FS2000 ebenfalls in seinen Hardwareanforderungen. Nur auf damals modernen High-Tech-Rechnern kam wirklicher Flugspaß auf. Doch man muss sagen, dass dies nicht nur auf den Flight Simulator, sondern auch auf viele andere, seinerzeit aktuelle Programme zutraf.

Im Jahr 2001 erschien mit dem Flight Simulator 2002 ein weiteres Highlight in der Geschichte des Flugsimulators. Wieder lag er in der Standard und der Professional Version vor. Gegenüber seinem Vorgänger hatte sich auch wieder einiges geändert. So nutzte der FS2002 eine neue Grafik-Engine, die auf modernen PCs wirklichen Flugspaß aufkommen lässt. Erstmals ist es Microsoft gelungen, dass eine Nachfolgeversion auf demselben PC besser lief, als der Vorgänger. Ebenfalls erstmals implementiert wurde ATC, welches den PC-Piloten mit gesprochenen Anweisungen (meistens) sicher zum Ziel geleitete, und damit verbunden auch AI-Verkehr, so dass die bisher verkehrsmäßig eher langweiligen Flugplätze nun durch vom PC gesteuerte Mitflieger belebt wurden.

„Das Jahrhundert der Luftfahrt“ oder „A Century Of Flight“, wie der Untertitel des Flight Simulator 2004 lautete, brachte erneut die Entwicklung der PC-Flugsimulation einmal mehr ein Stück nach vorn. Microsoft wählte erstmals einen thematischen Hintergrund für diese Ausgabe – 100 Jahre Luftfahrt – und verband diese Veröffentlichung auch mit einem eigenen Jubiläum: „20 Jahre Microsoft Flight Simulator“. Vor 20 Jahren, im Jahr 1984, hatte Bruce Artwick die BAO, die ja mittlerweile in Microsoft aufgegangen ist, gegründet. Angefangen mit den ersten Versuchen der Gebrüder Wright auf ihrem legendären Wright-Flyer wurden viele historisch bedeutsamen Flugzeuge, wie z. B. die „Spirit of St. Louis“, die Vickers Vimy, die DouglasDC-3, die Piper Cub oder die Ford Trimotor, und für diese Maschinen typische Flüge und Flugrouten akkurat umgesetzt, die Flugpionier-Atmosphäre am heimischen PC aufkommen lassen. Insgesamt 24 verschiedene historische und moderne Flugmuster stehen zur Verfügung und auch technisch hat sich wieder einiges getan. Die Landschaftsdarstellung, eine massiv verbesserte Wetter-Engine mit neu eingeführten 3D-Wolken, die Einführung von zwei verschiedenen Garmin-GPS-Systemen und spürbar verbesserte Flughafendaten mit Rollwegbezeichnungen, so dass die aus dem FS2002 bekannten „progressive taxi instructions“ mittels rosafarbener Linie auf dem Flughafengelände der Vergangenheit angehören, sind die wichtigsten Neuerungen.

Der FS2004 ist gleichwohl einer der umstrittensten Microsoft Flugsimulatoren in ihrer 20 jährigen Geschichte. Die Meinungen innerhalb der Flusi-Szene waren bei seiner Einführung stark gespalten: Von „großer Wurf“ bis „großer Mist“ war alles vertreten. Ausgelöst wurde diese Bandbreite zum einen durch einen erneut gestiegenen Ressourcen-Hunger und durch einige interne technische Veränderungen, die eine Inkompatibilität vieler Add-Ons zur Folge hatten. Die entsprechenden SDKs wurden wie üblich erst Monate nach Erscheinen des FS2004 veröffentlicht, so dass die meisten (kommerziellen) Add-On-Hersteller versuchten, die Probleme auf eigene Faust in den Griff zu bekommen. Einige Versuche gelangen, einige Versuche misslangen leider gründlich, so dass sich der Unmut der Add-On-Käufer sehr schnell den Add-On-Herstellern zuwendete – wenngleich diese nicht unbedingt viel für dieses Dilemma konnten.


Flight Simulator X

Inzwischen ist der Nachfolger des FS2004, der FSX, auf dem Markt und muss seine ersten Bewährungsproben auf den heimischen PCs bestehen. Die Diskussionen ähneln denen, die bei der Einführung seines Vorgängers zu verfolgen waren und lassen sich in aller Regel auf den Kernsatz „tolle Optik, schlechte Performance“ reduzieren. So war es aber bei beinahe jeder neuen Version zu hören und die Lage wird sich spürbar entspannen, wenn in den nächsten Monaten und Jahren leistungsgesteigerte Hardware zur Verfügung stehen wird, auf denen dann auch der „Neue“ durchaus akzeptabel laufen wird. Im Jahr 2016 ist dies jetzt auch der IST Zustand, dass die Rechner den FSX ohne viele Performance Einbußen abspielen können.

X-Plane und andere Simulatoren

Im Laufe seiner 20 Jahre hat der Microsoft Flugsimulator viele Mitbewerber kommen und leider auch wieder gehen sehen, da sich aufgrund der massiven Marktpräsenz des MSFS eine wirtschaftliche Entwicklung eines Alternativprodukts nicht darstellen ließ. “Fly“, “Fly II“, “Flight Unlimited 1-3”, “Flugsimulator 3.0 (auch: A320-Simulator)” oder “SAR - Search and Rescue Helicopter Flight Sim” sind ein paar Beispiele für vergangene Entwicklungen im Bereich der zivilen Flugsimulation. Handelt es sich hier wirklich nur um vergangene Entwicklungen? Nein, denn mit “X-Plane“ (Bild rechts) von Austin Meyer, welches zum Druckdatum in der Version 8.50 vorliegt, ist nicht nur eine Alternative zum Microsoft Flugsimulator entstanden, es ist auch eine Alternative für Flugsimulations-Begeisterte, die kein Microsoft Betriebssystem ihr eigen nennen. X-Plane ist auch in Versionen für Apples MacOS sowie Linux erhältlich. Meyer verfolgt ein technisch komplett anderes Konzept als Microsoft und erreicht auf diese Art eine sehr viel genauere Umsetzung der Flugphysik. Dafür musste man als X-Planer lange mit Einbußen bei der Landschaftsdarstellung leben, die aber seit der Einführung einer neuen, insbesondere hinsichtlich des Höhenprofils sehr genauen Global Scenery mit Version 8.20 weitgehend der Vergangenheit angehören. Um X-Plane herum hast sich in den letzten Jahren eine lebhafte Szene von Entwicklern gebildet, die laufend neue Flugmuster, Szenerien und Plugins, zum größten Teil als Freeware, bereitstellt. Das Konzept hat immerhin dazu gereicht, dass X-Plane bereits offiziell als Verfahrenstrainer in der Flugausbildung eingesetzt werden darf. Austin Meyer‘s X-Plane ist somit aus den Kinderschuhen heraus gewachsen und hat das Potential zu einem ernst zu nehmenden Mitbewerber für Microsoft.

(Auszüge mit freundlicher Genehmigung von André Sittard, ehemals www.taxiway.de)